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Basics

Theorie
So anstrengend es auch ist, um die Kitesurf-Theorie kommst du nicht drum herum! Zunächst einmal solltest du immer den Raumbedarf und die Windrichtung bzw. – stärke überprüfen. Auch die Bodenbeschaffenheit ist nicht zu vernachlässigen. Ein Platz zum Kitesurfen sollte immer sicher sein und keine Gegenstände aufweisen.

Bevor es aber richtig losgehen kann, muss noch der Kite ausgelegt werden. Der Boden, auf dem der Kite ausgelegt werden soll, muss unbedingt frei von spitzen und scharfen Gegenständen sein. Wir wollen ja nicht, dass du dir gleich kurz vor dem Start einen neuen Kite kaufen musst. Ist also der Boden steinfrei, legst du deinen Kite vorsichtig aus, sodass ein Ende des Kites in den Wind zeigt. Dieses Ende musst du noch mit etwas Kies oder Sand beschweren, damit der Kite sich nicht selbstständig macht. Mit einer Luftpumpe oder eines Blasebalg pumpst du dann zunächst einmal die Stabilisationsschläuche (das sind die Querschläuche des Kites) auf. Dann folgt das Aufpumpen des großen Profilschlauches. Oft sind Handpumpen etwas klein geraten, was gerade das Aufpumpen des Profilschlauchs erschwert. Am besten besorgst du dir vorher eine sogenannte Doppelhubpumpe.

Wenn nun also die Schläuche, Tubes genannt, vollständig aufgepumpt sind, verschließt du die Sicherungskappen an den Ventilen (diese müssen unbedingt sandfrei sein!) und überprüfst noch
einmal den Luftdruck in den Kammern. Die Kammern sollen sich auf jeden Fall prall gefüllt anfühlen,da je nach umgebender Lufttemperatur die Tubes an Luft verlieren können. Dieser Fall tritt eigentlich immer bei Wasserkontakt ein, da Wasser immer eine kältere Temperatur hat als die umgebende Luft. Sollten die Tubes nicht prall gefüllt sein, musst du noch etwas Luft nachfüllen.
Du musst keine Angst haben, bis ein Tube platzt, muss schon wirklich sehr viel Luft
in die Hülle gepumpt werden.

Der nächste Schritt besteht darin, den Kite mit der Anströmkante in Windrichtung auszurichten. Nicht vergessen: Der Tubekite ist nach Aufpumpen des Profilschlauchs im Grunde startklar, also musst du beim Ausrichten ein bisschen vorsichtig sein, damit er euch nicht
weg fliegt.
Hast du also diese Hürde gemeistert, musst du den Kite noch mit ausreichend Ballast beschweren, wie z.B. wieder mit Sand oder Kies.Du kannst auch abgerundete Gegenstände benutzen, solltest aber Spitze Steine oder Ähnliches vermeiden.
Wunder dich nicht, wenn der Kite beim Beschweren noch herumflattert, das ist ganz normal.

Nun folgt das Auslegen der Leinen. Lege sowohl Waage- als auch Flugleinen aus und überprüfe die Leinen auf mögliche Schäden, besonders da, wo sie aneinander reiben (z.B. an Knoten). Sind alle Leinen in Takt und nicht verdreht, befestige die Flugleinen an den Waageleinen und die Sicherheitsleine an deinem Handgelenk. Vergiss nie das sogenannte Quick-Release-System zu überprüfen, solltest du dich im Notfall ausklinken müssen.

Du solltest das erste “Aufbauen” des Kites und das Auslegen der Leinen lieber nicht alleine machen – lass dir helfen!

Hier ein paar kleine Tipps zum Starten des Kites ohne einen Helfer:
Knick beim Kite eine Spitze auf der Luv (der dem Wind zugewandten Seite) von ca. 50cm ein und beschwere sie mit Sand o.ä.
Dann musst du deinen Kite am Windfensterrand ausrichten, das reicht für den Start meist vollkommen aus. Durch einen energischen Ruck an der Bar, löst sich der Kite von seinem Ballast und die Anströmkante klappt auf: Der Kite steigt auf.
Macht ihr noch leichte Pumpbewegungen an der Bar und geht vielleicht ein, zwei Schritte zurück, geht der Start noch leichter von der Hand.

Jetzt musst du “nur noch” deinen Kite in den Zenit des Windfensters dirigieren und der Spaß kann losgehen!

Zum Windfenster
Wie schon vorher erwähnt, gibt es beim Kitesurfen ein sogenanntes Windfenster. Damit hat es Folgendes auf sich: Der Flugraum eines Kites ist dreidimensional zu verstehen, das heißt, der Kite bewegt sich also in einer Art Glocke. Diese Kuchenglocke ist das schon erwähnte Windfenster.
Durch ziehen an einer Lenkleine veränderst du den Anströmwindel, was dir ermöglicht im Grunde jeden Punkt in dieser Käseglocke anzufliegen. Verlängerst du eine Leine, veränderst du die Länge einer anderen. Fliegst du zu weit am unteren Rand, bricht die Strömung ab und Kiten ist einfach nicht möglich. Befindet sich der Kite zu weit oben, geht auch der Zug des Drachen weit nach oben, was den Fahrer nicht in Fahrtrichtung beschleunigen lässt.

In diesem Windfenster herrscht am sogenannten Zenit der größte Druck auf den Kite. Am Windfensterrand ist dieser geringerer. Im Zenit steht der Kite praktisch still, die ideale Position zum Kiten ist am linken bzw. rechten Windfensterrand (etwa im unteren zweiten Drittel), wobei aber zu beachten ist, dass der Kite nicht zu hoch an den oberen Rand geflogen werden sollte.

Ziehst du den linken Arm an den Körper und streckst deinen Rechten aus, so fliegt der Kite (wenn alles gut geht) eine Linkskurve. Wird der rechte Arm zum Körper gezogen und der Linke ausgestreckt, fliegt der Kite nach rechts.

Dabei musst du beachten, dass der Flug des Kites immer einen Bogen beschreibt, je stärker du also an der Bar ziehst, desto kleiner sind die Radien, die der Kite fliegt. Alle Bewegungen an der Bar
übertragen sich auf den Kite, d.h. dass du die Bewegungen an der Bar nie ruckartig ausführen solltest. Grundsätzlich führt der Kite die Bewegungen an der Bar um einiges träger aus, als zum Beispiel ein einfacher Lenkdrache.

Starten und Landes des Kites
Die wohl wichtigste Regel beim Kitesurfen ist die Tatsache, dass die Bar immer ruhig gehalten wird und immer genügend Spannung auf den Leinen ist. Sind die Bewegungen an der Bar zu hektisch, gerät dein Kite außer Kontrolle und tanzt hin und her. Stehen die Leinen nicht unter Spannung, kann es gut sein, dass der Kite abstürzt.

Denk immer daran, dass die Kites beim Kitesurfen keine Lenkdrachen sind und somit viel Träger auf deine Bewegungen an der Bar reagieren. Es gibt einige Übungen, mit denen man das Handling des etwas trägeren Kites gut trainieren kann.

Kreise fliegen
Die wohl einfachste Übung ist der Kreis. Es sollte sich bei dieser noch recht einfachen Übungsfigur um Kreise mit einem Radius von etwa 10m handeln. Es macht Sinn, diese Figur recht weit oben im Windfenster zu starten, da der Kite beim Kreise-Fliegen an Höhe verlieren kann.
Gib mehr Zug auf die rechte Leine, wenn du deinen Kite eine Rechtsdrehung machen lassen willst. Es gilt die Grundregel, dass, je enger du die Leine an dich heran ziehst, desto enger wird der Radius der Kreise, die der Kite beschreibt. Mach dir keine Sorgen, dass sich die Leinen beim Beschreiben der Kreise verdrehen – die Lenkfähigkeit des Kites wird erst nach vielen Verdrehungen beeinträchtigt.

Der Sinn des Ganzen ist es, die Kontrolle über den Kite zu verbessern und den Radius von Kreisen zu kontrollieren. Außerdem kannst du so nach einiger Übung eine exakt runde Form ausfliegen und die Beeinträchtigung durch die Verdrehung der Leinen einschätzen.

Die unendliche Acht
Diese Figur ist etwas schwieriger als der Kreis. Um die eingebaute Gerade meistern zu können, musst du den Ausgleich des Leinenzugs im richtigen Moment tätigen. Diese Figur erfordert ein Abfliegen des fast gesamten Windfensters, das natürlich zuerst einmal erforscht werden muss, um
die Grenzen zu kennen. Um einen Absturz zu vermeiden, musst du mit deinem Kite genug Abstand zum Boden wahren. Die liegende Acht kannst du links oder rechts herum fliegen oder sogar von oben nach unten. Ein großer Vorteil dieser Figur ist, dass du sie beliebig oft fliegen
kannst, ohne dass sich die Leinen verdrehen.

Nächster Schritt: Wasserstart
Stell dir nun also vor, du säßest nicht am Computer, sondern im Wasser. DU bist im Trapez eingehängt, der Kite ist in einer neutralen Position, im Zenit. Du greifst
die Leash und ziehst das Board zu dir heran. Eine Hand hast du an der Bar, mit der anderen richtest du das Board in Fahrtrichtung aus. Dabei darfst du nie den Kite aus den Augen lassen, denn eine
einfache kurze Bewegung an der Bar, kann den Kite aus dem Gleichgewicht bringen.

Du solltest darauf achten, dass die Leash frei ist und sich nicht um deine Beine geschlungen hat. Halte das Board mit der freien Hand fest und kante es auf, damit du die Füße in die freien Fußschlaufen schieben kannst. Winkle Arme und Knie leicht an, richte den Blick zum Kite und richte das Board in Fahrtrichtung aus. Durch einen energischen Ruck an der Bar wird der Kite in Fahrtrichtung geflogen, erzieht dich aus der halb sitzenden, halb hockenden Position aus dem Wasser.

Bodydrag
Beim Bodydrag handelt es sich um eine Übung, bei der der Kiter seinen Körper auf dem Bauch liegend vom Kite durch das Wasser ziehen lässt. Starte den Kite entweder aus dem Wasser oder erst einmal vom Land aus und lass ihn in Richtung Zenit steigen. Fliege dich ein bisschen ein, zum Beispiel mit der liegenden Acht oder dem Kreisflug. Dann dirigiere deinen Kite in die Powerzone des Windfensters. Gut festhalten und los geht der Spaß! Der Bodydrag dient dazu, die Kontrolle
über den Kite zu verbessern und das Gefühl kennen zu lernen, sich vom Kite ziehen zu lassen. Außerdem macht der Bodydrag viel Spaß. Ab und zu sieht man sogar gestandene Kiter, wie sie sich jauchzend vor Freude auf dem Bauch durchs Wasser ziehen lassen.

Beherrschst du erst mal den Bodydrag, kannst du problemlos auf das Board umsteigen. Bist du noch unsicher im Umgang mit dem Drachen, bleib in Ufernähe, damit du notfalls zurück waten kannst.

Beachstart
Beim Beachstart ist es sogar ratsam, wenn du deinen hinteren Fuß erstmal nicht in die Schlaufen stellst, sondern auf dem Brett “parkst”. Deine volle Aufmerksamkeit sollte erst einmal der
Fahrt des Kites gelten. Ist die Fahrt erst mal ruhig, kann der hintere Fuß
schnell in die Schlaufe schlüpfen, denn dann ist die Schleudersturzgefahr geringer.

Halsen
Eine Halse ist im Grunde so etwas wie eine Kurve fahren. Um zu halsen, musst du auf Halbwindkurs die Geschwindigkeit reduzieren und den Druck des Kites vermindern. Damit hängst du den Kite aus. Den hinteren Fuß nimmst du aus der Schlaufe und gibst dosierten Druck auf die Lee-Kante (die dem Wind abgewandten Seite), um eine Kurve überhaupt einzuleiten. Den Kite steuerst du am besten zur anderen Seite des Windfensters. Wichtig ist, dass der Kite konstanten Zug entwickelt. Lehne den Körper während der Halse gegen den Zug deines Kites und belaste die Lee-Kante. Nun folgen diese Schritte: Nehme den hinteren Fuß aus der Lee-Schlaufe, drehe
deine Knie in das Kurveninnere, nehme deinen hinteren Fuß vor die hintere Schlaufe und lass ihn dort, bis die Fahrt sicher die neue Richtung führt. Dann kannst du den hinteren Fuß wieder in die
Schlaufe setzen, den Kite wieder einhängen und Fahrt aufnehmen. Das klingt natürlich nicht einfach, doch wenn man alle Abläufe einmal einstudiert hat, ist es schon gar nicht mehr so schwer.

Dies sind nun die Basics. Es schadet nicht, sich vor einem Kitesurfkurs ein bisschen zu informieren. Es gibt noch viele spannende Tricks und Jumps, die sich nach einiger Übung durchaus sehen
lassen. Und nun: Viel Spaß bei den ersten Schritten bzw. Fahrten in diesem spannenden und anspruchsvollen Wassersport!

Sicherheit
Hier noch ein paar nützliche Sicherheitstipps, denn: Safety first!

– Starte niemals einen Kite, dessen Leinen du nicht selbst kontrolliert hast!
Der geeignete Kitesurf-Ort auf dem Meer muss mindestens 2-3 Leinenlängen von Gegenständen im Wasser, anderen Sportlern oder Schwimmern entfernt sein.

– Fliege niemals über Personen oder Hindernissen die sich im Radius des Kites befinden.
– Kitesurfe niemals alleine, denn wenn du Hilfe brauchst, sollte jemand in der Nähe sein, der dir helfen kann (Surfschule, DLRG etc.)
– Überschätze dich nicht selber! Surfe nur Windbedingungen und -stärken, die du auch surfen kannst. Auch die Kitegröße spielt da eine Rolle!
– Surfe nicht bei extremböigen, ablandigen Wind.
– Kontrolliere immer Board und Kite. Sind sie nicht mehr in einwandfreien Zustand, benutze sie nicht!
– Wichtig ist auch die sachgemäße Lagerung von Kite und Board an Land!
– Nur auch dazu ausgebildete Lehrer dürfen bei Starten und Landen helfen, bzw. grundsätzlich unterrichten! Achte immer darauf, dass diese Personen auch geschult sind.
– Blende etwaige Notsituationen nicht aus, sondern überlege dir gut, wie du in Notsituationen reagieren könntest.
– Trage immer die richtige Kleidung. Neopren- oder Trockenanzug ist Pflicht! Erst recht bei Anfängern. Auch ein Helm schadet nicht.